Kunst & Künstler

LANDKUNSTSTÜCK hat ein Motto: Den ländlichen Raum neu erleben. Und das ist Programm. Die Kunstwerke entstehen im Auftrag unseres Vereins. Denn unser Verein hat ein Anliegen: Wir möchten mit Skulpturen und Installationen den Dialog zwischen Verbrauchern und Landwirten anregen. Für Landschaftskunst ist die Umgebung nie bloß Kulisse. Ein Kunstwerk im Umkreis landwirtschaftlicher Nutzflächen setzt sozusagen ein Ausrufezeichen an diesen ganz spezifischen Ort. Der Betrachter merkt auf und wird angeregt, sich mit diesem Ort zu beschäftigen. Und das heißt auch: mit den Menschen, die diesen Ort erhalten und pflegen – den Bauern.

Hans-Joachim Mocka, Künstlerischer Leiter von LANDKUNSTSTÜCK, ist zuständig für die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler und deren Werke – die LandKunstStücke. Er ist Absolvent der Folkwang Universität der Künste in Essen, hat im In- und Ausland ausgestellt und bis 2019 diverse Ausstellungen im Landesmuseum Schloss Gottorf gestaltet. Zudem hat er bereits mehrere Landart- und andere Kunstprojekte realisiert. Wenn Sie mehr über seine Arbeit erfahren möchten, können Sie sich auch gerne direkt mit ihm in Verbindung setzen – seine E-Mail-Adresse lautet mockjom@aol.com, seine Mobilnummer 0176 39863565. 

Hier finden Sie alle LandKunstStücke im Kurzporträt. Alles Weitere erfahren Sie auf den Schildern direkt bei den Kunstwerken. Der Besuch lohnt sich!

„Knolle“

Wer an der Milchtankstelle auf Steensens Bauernhof in Grömitz-Cismarfelde anhält, wird es kaum übersehen: ein meterhohes Kunstwerk, Holz, Industriegummi, irgendwie spacig. Geschaffen haben die „Knolle“ – so der Titel – die Bildhauer Ulf Reisener und Ingo Warnke.

Ulf Reisener

Ingo Warnke

Die beiden Absolventen der Muthesius Kunsthochschule in Kiel betreiben seit 2004 das Bildhaueratelier Heiliger Schein in Nettelsee. Neben eigenen Projekten entwickeln beide immer wieder gemeinsame Werke, darunter häufig Großskulpturen für Landschaftskunst.

„Stein wie eine Landschaft“

"Stein wie eine Landschaft"

An einem Radweg am Kattenberger Weg, bei einer Heidschnuckenweide des nahen Hofes Kattenberg südwestlich von Cismar, liegt der beinahe meditativ anmutende „Stein wie eine Landschaft“. Gefertigt hat ihn Ulrich Lindow aus Schobüll.

Ulrich Lindow

Die Skulptur wirkt wie eine Signatur in der Landschaft und kommt damit dem, was Bauern tun, sehr nahe. Seine Inspiration beschreibt der Künstler so: „Ein Granitfindling aus Skandinavien, mit der Eiszeit gewandert bis Schleswig-Holstein. Nicht weit von hier gestrandet, eingebettet in der von Eis geformten Hügellandschaft, von Menschen zu Kulturland gemacht. Ackerland, bepflügt – besät – beerntet. Furchen in den Stein geschlagen, als Zeichen. Gewelltes Land.“

„Splitter“

"Splitter"

"Splitter"

"Splitter"

Direkt auf dem Gelände von Hof Körnick an der B 501 südwestlich von Grömitz ist ein ganz besonderes LandKunstStück zu sehen: die Videoinstallation „Splitter“ in einem ehemaligen Silo. Die drei Fotos oben sind Standbilder daraus.

Jobst von Berg

Der Filmemacher und Fotograf Jobst von Berg aus Böel hat sich mit seiner Kamera über das Jahr der Arbeit auf dem Hof genähert und die landwirtschaftliche Arbeitswelt auf ihre Klischees hin überprüft, in Frage gestellt und neu besehen. Kommentierend oder auch dialoghaft wechseln sich Bilder und Texteinschübe ab.

„Stammgäste“ – Teil 1: „Fischer“ und „Reisender“

Zwischen Oldenburg in Holstein und der Gemeinde Grube lag früher der drittgrößte Flachsee Schleswig-Holsteins. Durch den Sandeintrag der nahen Ostsee verlandete er immer mehr und wurde nach und nach trockengelegt, um Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Der Flensburger Bildhauer Johannes Caspersen erinnert mit seinen beiden „Stammgästen“ am Paasch-Eyler-Platz an die Geschichte des Sees. Das Relikt der letzten Eiszeit war reich an Fischen und ernährte etliche Familien. Dafür steht der „Fischer“ auf dem Feld beim Siel – zuzeiten des Gruber Sees war dort sein Arbeitsgebiet. Der „Reisende“ schaut von der Aussichtsplattform auf dem Gelände der Alten Gruber Bürgergilde in die Landschaft – und auch auf den „Fischer“. Die Figuren werden so zum Sinnbild für die ursprünglich natürliche Umgebung und die späteren Eingriffe durch den Menschen. Als direktes Gegenüber thematisiert das Skulpturenpaar aus bemalten Eichenstammholz das Für und Wider von Veränderung.

Ein weiterer „Stammgast“ steht auf der Wiese am Dunker’schen Platz in Grube – der „Landarbeiter“, der den Gutsbesitzern zu ihrem Reichtum verhalf. Der Dunker’sche Platz wurde im 18. Jahrhundert prachtvoll bebaut. Bis Ende 1840 residierte hier der Hausvogt des damals königlichen Amtshauses in Cismar, dem nebst Dienstwohnung ca. 20 Tonnen Land zustanden. Nach altem Brauch erhielt er von seinen Untertanen zu seinem Gehalt sechs Faden Brennholz und sechs Fuder Torf.

„Baum – Mensch – Baum“

Zwischen Dahme und Kellenhusen, am Dahmer Weg / Vogelsang, steht eine Eiseninstallation mit Winterlinde. Sie lässt sich als Sinnbild für den heutigen Umgang des Menschen mit der Natur verstehen: „Überall wird die Natur auf verschiedene Weise begrenzt“, so die Künstlerin Margit Huch. „Es ist erwünscht, dass der Baum sein Gefängnis überwindet und es so bedeutungslos macht.“ 

Andererseits kann man „Baum – Mensch – Baum“ auch als Symbol für die Koexistenz von Mensch und Natur sehen: Je weiter der Abstand zwischen den Gitterstäben, desto mehr Raum für das Hindurchwachsen, für die natürliche Entwicklung des Baumes. Auf diese Koexistenz zielt die ökologische Landwirtschaft auf Hof Bokhorst, dem diese Skulptur gewidmet ist.

„von bienen und blüten“

Bienen und andere Insekten sorgen für die Bestäubung von Pflanzen, die einen Großteil unserer Nahrung sicherstellen. Doch die wichtigen Nutztiere sind stark bedroht. Die Lyrikerin Doris Runge aus Cismar setzt mit ihrem exklusiv für LANDKUNSTSTÜCK entstandenen Gedicht „von bienen und blüten“ ein Zeichen und macht auf das fragile Gleichgewicht zwischen Natur und deren Nutzung aufmerksam.

Der bildende Künstler Hans-Joachim Mocka aus Kollund (Dänemark) hat für diese Zeilen auf dem Apfelhof Grimm in Cismar eine Gartenbühne geschaffen, die mit bewegten Formen bewegen möchte.

„Bodenpunkte“

Die ackerbauliche Qualität einer Fläche wird in sogenannten „Bodenpunkten“ gemessen (Wertzahl: 1 = sehr schlecht, 100 = sehr gut). Die Salzwiesen des Reiterhofs Hopp am Langenredder in Grömitz-Lenste weisen einen durchschnittlichen Wert von 30 Bodenpunkten aus.

Die Künstlerin Sigrid Stegemann aus Oldersbek (Nordfriesland) hat mit ihrer Findlingsgruppe genau das thematisiert: Die 30 blattvergoldeten Steine auf den größeren, insgesamt 100 farbig bemalten Findlingen symbolisieren diese Wertzahl.

„Generationen-Allee“


Alleen waren früher oft die direkte Verbindung zwischen Bauern und Kunden. Heute begegnen sich beide kaum mehr. Die vier rostigen Stahlbäume in Riepsdorf weisen einen neuen Weg zum Hof an der Hauptstraße 31 – und laden ein zum Dialog mit Bauer Carsten Siems.



Geschaffen hat die „Generationen-Allee“ der Lübecker Bildhauer Winni Schaak Die leichte Neigung der Skulpturen symbolisiert die Last, die jede Bauerngeneration zu tragen hat – die Widrigkeiten der Natur, die Ansprüche von Gesellschaft und Industrie. Die unterschiedlichen Größen stehen für die Generationen, die ihr Bestes geben …

„Mobile Home“

Der stillgelegte weiße VW Golf von Arno Neufeld hat seinen endgültigen Parkplatz direkt vor dem Geflügelhof Wulf an der Hauptstraße 14 in Groß Schlamin (Schashagen) gefunden.

„Hinter dieser Arbeit“, so der Künstler, „steht der etwas fabelhafte Ansatz, den Hühnern auf dem Hof einen modellhaften Ausflug anzubieten. Zu der Freilaufhaltung auf dem Gelände könnte sich ein Traum von Komfort und Luftveränderung gesellen. Da die Hühner selbst nicht unbedingt als die ganz überragenden Flieger bekannt sind, wird ein Auto bereitgestellt und entsprechend ausgestattet.“ Ein ganz besonderer Reiz: Bei Einbruch der Dämmerung geht im „Mobile Home“ ein sanftes Licht an.

„Schwimmknick“

Die farbenfrohe Mixed-Media-Installation schwimmt auf einem kleinen, künstlich angelegten Teich bei Gut Rosenhof nördlich von Grube (Richtung Siggeneben rechts hinter dem Wald).

Die Künstlerin Inga Momsen erläutert: „Durch Ausgleichsflächen – zum Beispiel Knicks, künstliche Teiche und Wälder – tragen Landwirte zur Renaturierung ihrer Umgebung bei. Ich hole den Knick auf den Teich und verbinde zwei wichtige Renaturierungs-Maßnahmen miteinander.“ Zu Form und Farbgebung ihrer Arbeit inspirierten sie der Holunder als typische Knickpflanze wie auch das Wappen der Gemeinde Grube als Schauplatz der Installation.

„kreise kreise“

Die in eine Weide eingelassene Klanginstallation gegenüber der Einfahrt zu Gut Krummbek (Schashagen, Dorfstraße 5) steht kurz vor der Fertigstellung und kann bereits besucht werden. In ihrem Kunstwerk nimmt Maria Malmberg die Kreislaufwirtschaft auf dem Gut zum einen in der kreisrunden Edelstahlscheibe auf, die als Resonanzkörper für die darunter liegenden Speziallautsprecher dient. Zum anderen hat sie Weizen, Milch, Wasser, Abwasser, Substrat und Gülle aus dem Betriebskreislauf des Hofes mit einer kreisrunden Klangschale zum Klingen gebracht und mit speziellen Mikrofonen aufgenommen, während sie die Schale umkreist hat.

Fotos: Maren Weilandt – www.fotohof-blomster.de, Ekkehard Briese, Margit Huch, Claudia Reshöft, privat